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Schlank & fit: Mit diesen fünf Tricks habe ich in der Schwangerschaft kaum zugenommen!

Na, seid ihr drauf reingefallen? Hat euch meine Clickbating-Headline angelockt? Erwartet ihr nun die ultimativen Geheimtipps, wie man es schafft, in der Schwangerschaft in Form zu bleiben und möglichst schnell wieder einen „fuckable After-Baby-Body“ zu präsentieren? Sorry, das wird es hier nicht geben. Aber lest doch trotzdem weiter.

Das Wunder der Schwangerschaft

Liebe Schwangere, liebe Mamas, jede von uns hat ganz Großartiges geleistet. Wir haben ein neues Leben in uns heranwachsen lassen, haben unser Baby schon über Monate versorgt, gehegt und gepflegt, bevor es überhaupt auf die Welt kam/kommt. Ich stehe nun kurz vor der Geburt. Meistens ist der riesige Bauch einfach da und ziemlich anstrengend. Doch dann starre ich jeden Abend fasziniert auf die Verformungen durch die Bewegungen meines Sohnes. Das, was da unter der Bauchdecke strampelt, wird als Baby neben mir liegen. Das ist ein fertiges Menschenleben, das bald außerhalb meines Bauches wachsen wird. Die Natur hat alles von selbst erledigt. Von den Knochen über das Gehirn bis zum Fingernagel ist alles am Baby wie vorprogrammiert gewachsen.

Zweifelhafte Vorbilder

Umso schlimmer ist es, dass Frauen vor allem durch Social Media Kanäle und gewisse Medien das Gefühl bekommen, sich nicht in dieses Wunder fallen lassen zu dürfen, sondern parallel dafür sorgen sollen, schön, fit, strahlend und „fuckable“ zu bleiben.

„Ich folge einer Kraftsportlerin bei Instagram, die bis zum Tag vor der Geburt noch ihr Krafttraining durchgezogen und danach auch sofort wieder begonnen hat. Das bewundere ich total“, sagte mir kürzlich erst wieder jemand. Ja, es mag sein, dass trainierte Frauen nicht mit dem Training stoppen müssen, wenn die Schwangerschaft unkompliziert verläuft. Schwierig finde ich nur, dieses Verhalten als Vorbild zu präsentieren. Gerade „Durchschnitts-Sportlerinnen“, die vielleicht zwei- bis dreimal pro Woche locker trainiert haben, wird empfohlen, das „alte“ Pensum nicht zu überschreiten, sondern vor allem gegen Ende der Schwangerschaft eher zu reduzieren. Wer vorher nicht joggen war, sollte in der Schwangerschaft nicht damit beginnen. Von der Zeit danach ganz abgesehen.

Ich will nicht dafür plädieren, in der Schwangerschaft zum Couch-Potatoe zu werden. Es ist nachgewiesen, dass Bewegung gesund ist, die Geburt erleichtert und zum Beispiel das Risiko senkt, an Schwangerschafts-Diabetes zu erkranken. Aber es ist völlig in Ordnung, wenn diese Bewegung eben nur noch aus Spaziergängen oder entspannten Yoga-Einheiten besteht. Ich war anfangs noch recht fit, inzwischen mache ich fast gar keinen Sport mehr. Es fühlt sich einfach nicht mehr gut an. Und wenn es sich schon am Anfang nicht mehr gut anfühlt, dann hört auf dieses Gefühl. Manche Frauen dürfen auch keinen Sport machen, da sie vielleicht zu früh Wehen hatten. Dann liegt man untätig auf dem Sofa, hadert sowieso schon mit dem eigenen Körper und scrollt durch Bilder, in denen schwangere Frauen schwere Gewichte stemmen, Ballett machen oder kurz nach der Geburt schon irre flache Bäuche präsentieren. All das lässt uns doch nur noch mehr zweifeln: „Wieso kann die das? Und ich nicht?“

10 oder 20 Kilo mehr?

Genauso verhält es sich mit der Gewichtszunahme. Die eine nimmt nur 7 Kilo zu, die andere über 20. Als ich unsicher war, ob meine Gewichtszunahme im Verlauf der Wochen nun normal, zu gering oder zu hoch sei, habe ich in Foren so ziemlich alles gelesen: Die eine hat in 40 Wochen nur 3, die andere 25 kg zugenommen. Eines hatten fast alle Beiträge gemein: Es waren Extreme. Und die Suche nach der Frage „Was ist normal?“ wird somit zur Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Mit der Zeit habe ich gelernt: Das perfekte Gewicht gibt es in der Schwangerschaft nicht. Und es ist viel Veranlagung und hat auch mit den Lebensumständen zu tun. Ich habe tatsächlich nicht allzu viel zugenommen – habe aber jeden Tag Süßigkeiten gegessen, mir nichts verkniffen, sondern immer gegessen, wenn ich Hunger hatte. Keine Diät. Kein Low Carb. Ich hab einfach versucht, auf meinen Körper zu hören. Wenn man mehr Hunger hat, braucht das Kind diese Energie. Und meine moderate Gewichtszunahme hatte sicherlich Gründe. In den letzten Monaten hatte ich viel Stress, mehrere Erkältungen, einen Magen-Darm-Infekt, einige Sorgen. Wenn mir jemand angeboten hätte, auf all das zu verzichten, aber dafür 7 oder 8 Kilo mehr Gewichtszunahme zu haben – ich hätte sofort getauscht. Soll heißen: Diese nackte Zahl hat in meinen Augen kaum eine Aussagekraft. Wie immer gilt natürlich: Wer in extreme Regionen kommt, sollte dies mit dem Arzt abklären. Ansonsten hilft – wie immer – das gesunde Bauchgefühl. Was sich gut anfühlt, kann so falsch nicht sein.

Fitte Schwangere und hippe Mamas

Der permanente Druck von außen zeigt sich in der Schwangerschaft immer wieder. Überall scheinen einen schöne, schlanke Körper zu verhöhnen, während man sich selbst wie ein gestrandeter Wal fühlt. Auf YouTube turnen Fitness-Girls angeblich schwangerschaftsgeeignete Übungen vor, bei denen man sich fragt, wo man währenddessen den dicken Bauch hinschieben soll. Und die frisch gebackene Mutter, der man auf Instagram folgt, zeigt sich wenige Tage nach Geburt schon wieder im stylischen Outfit mit Baby im hippsten Café der Stadt. Gleichzeitig postet sie übrigens Buch-Tipps, in denen es darum geht, wie wichtig die Wochenbett-Phase sei. Ich bezweifle, dass dieses Buch je gelesen wurde. Denn im Leben der Influencerin wird ignoriert, dass das Wochenbett wirklich liegend im Bett verbracht werden soll, wozu mir zumindest meine Hebamme eindringlich geraten hat. Das winzige, superniedliche Baby macht sich doch so gut als Accessoire, das muss man der Welt zeigen! Mich nervt dieser Druck so dermaßen. Jede Frau sollte das Recht haben, sich nach einer Geburt so lange zu erholen, wie sie will. Ohne den Druck, sich selbst und das Kind nach wenigen Tagen vorzeigbar zu präsentieren. Kurz nach der Geburt wie Prinzessin Kate perfekt gestylt aus der Klinik kommen oder nach wenigen Wochen ein Bikinifoto mit Top-Figur aus dem Urlaub posten – das ist meiner Meinung nach ein falsches Idealbild.

Gebt euch Zeit!

Wer sich zu schnell wieder um Oberflächlichkeiten kümmert und zum Sport geht, statt mit dem Baby zu schmusen, verpasst nicht nur die intensive, wichtige erste Zeit mit dem eigenen Kind, sondern riskiert auch körperliche Spätfolgen. Beckenbodenprobleme, überdehnte Bänder, das macht vielleicht nicht sofort, aber nach ein paar Jahren Probleme. Am 10-Kilometer-Stadtlauf, der ein ¾ Jahr nach Geburt stattfindet, sollte man also lieber als Zuschauerin teilnehmen. Statt schneller Effekte zählt nun die langfristige Perspektive. Wer keine Lust hat, mit 50 einen runden Bauch zu bekommen, weil die Bänder nie wieder fest geworden sind, und beim Niesen jedes Mal Urin zu verlieren, sollte die Eitelkeit, nach der langen Schwangerschaft schnell wieder in Form kommen zu wollen, hintenanstellen.

Ja, ich war auch geschockt, als ich gehört habe, dass man zwei Wochen nach der Geburt hauptsächlich liegend verbringen soll. Dass Rückbildungskurse erst acht Wochen nach der Geburt beginnen. Und dass das mit dem Joggen erst nach einem Jahr wieder Sinn macht. Aber hey, man hat ein Kind zur Welt gebracht. Ist doch klar, dass nach 40 Wochen Schwerstarbeit nicht innerhalb von 2 Wochen alles wieder wie zuvor ist. Gönnt eurem Körper Ruhe, Zeit und Erholung. Der perfekte After-Baby-Body kann kurvig, speckig, rund, schmal oder schlabberig sein. Er hat vielleicht Schwangerschaftsstreifen und riesige, tropfende Brustwarzen. Doch all das ist wundervoll, denn daraus ist ein kleines Leben entstanden. Anders gesagt: Ladies, entspannt euch. Ihr seid großartig und wunderschön, auch wenn ihr euch gerade nicht so fühlt. Um eure Bauchmuskeln könnt ihr euch in ein paar Monaten immer noch kümmern.

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