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Hooters: Breastaurant statt Restaurant

Jetzt sind sie auch in meiner Wahl-Heimat Hamburg angekommen. Die vollbusigen Mädchen mit engen Tops und kurzen Höschen, die deftige Speisen für „echte Kerle“ servieren. Hooters eröffnet auf der Reeperbahn (wo auch sonst). Offiziell ist es eine Sportsbar. Für mich ist dieser Laden nicht besser als der Strip-Schuppen nebenan. Wenn ich mir allein schon die Webseite anschaue, könnte ich schreien.

Jede Frau darf sich doch zeigen, wie sie will, oder?

Das Argument kommt immer wieder, auch von Feministinnen: Eine emanzipierte Frau darf frei entscheiden, was sie trägt und wie sie sich zeigt. Niemand wird dazu gezwungen, bei Hooters zu arbeiten. Im Gegenteil, die Mädels bewerben sich völlig freiwillig und freuen sich, wenn sie ein Hooters Girl sein dürfen. Das ist prinzipiell natürlich nicht falsch. Und ja, viele Frauen sind tatsächlich stolz darauf, eines der ausgewählten Hooters Girls zu sein. Wieso ich dieses Konzept trotzdem so scheiße finde? Weil es sämtliche Frauenbewegungen platt macht. Weil es hier ausschließlich darum geht, dass Männer gaffen sollen. Weil es ein völlig falsches, veraltetes, medial geprägtes Frauenbild festigt, anstatt es aufzubrechen. Wir werden immer weiter und weiter gebrainwasht. Es wird so getan, als sei es ein Privileg, zur Fleischbeschau mit dem Popo wackeln zu dürfen. Und so setzt sich immer wieder in den Frauenköpfen fest: Ich muss dem Idealbild entsprechen, um Erfolg zu haben, ich muss schlanker, schöner, perfekter werden.

„Als Hooters Girl liebst du es, Gäste glücklich zu machen“

Männer gehen nicht dorthin, um leckere Pommes oder Chickenwings zu essen. Sie wollen – in klaren Worten – Titten und Ärsche gucken. Fleisch mit extra Fleischbeschau. Deshalb gibt es als Arbeitskleidung die viel zu engen Hotpants und Tanktops. Frauen sind dafür da, die Wünsche der Männer zu erfüllen. Auf der Webseite steht Folgendes:

 

„Als Hooters Girl liebst Du es Gäste zu empfangen und glücklich zu machen, Kollegen zu unterstützen, Ordnung und Sauberkeit im Restaurant sicherzustellen. Du sorgst mit viel Spaß und Leidenschaft immer für gute Stimmung im Hooters Hamburg St. Pauli.“

 

Genau darum geht es: Gäste glücklich machen, für Sauberkeit sorgen und gute Laune verbreiten. Wer es immer noch nicht gecheckt hat: Frauen werden hier komplett auf ihr Äußeres reduziert und sie werden darauf getrimmt, es den Männern recht zu machen. Sie müssen über dumme Witze lachen, mit Burger verschlingenden Machos flirten und immer happy-preppy sein. Dann noch ein bisschen putzen, wie es sich als Frau gehört, hihi. Was ist das für ein fürchterliches Frauenbild?

Das war’s mal wieder mit der Emanzipation

Mit diesem Fritten-und-Titten-Konzept wird alles zunichte gemacht, was Frauenrechtlerinnen seit Jahrzehnten versuchen, zu vermitteln. Hooters gibt Frauen mal wieder das Gefühl, dass es einzig und allein auf ihr Aussehen ankommt, nicht auf den Verstand. Und Männer dürfen mal wieder „echte Männer“ sein, die sich fettiges Essen reinschieben und Frauen begaffen und heimlich begrabschen dürfen. Offiziell ist das natürlich verboten, doch beim obligatorischen Foto rutscht die ein oder andere Hand sicherlich mal zu tief. Was sollen sie auch machen, als Mann kann man doch gar nicht anders, höhö. Das Männerbild ist genauso fürchterlich falsch und veraltet wie das Frauenbild. Doch es scheint sie ja immer noch zur Genüge zu geben – Hooters hat bei Facebook gepostet, dass sie "förmlich überrannt wurden mit Buchungsanfragen und Reservierungen".

 

Oh mann. Ich will das nicht. Ich will nicht, dass Männer dieses Konzept geil finden. Und ich will nicht, dass sich Frauen auch noch besonders hübsch und geehrt fühlen, weil sie objektifiziert werden. Hört doch bitte auf damit.

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