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Käuflicher Feminismus: Schadet der Modetrend der politischen Bewegung?

Mit Beyoncé ging es los. Als sie sich mit dem riesigen Schriftzug „FEMINIST“ auf der Bühne zeigte, war der Feminismus cool. Frauenrechte werden so heiß diskutiert wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr – und das ist auch gut so. Das Ergebnis hängt in den Läden: Girlpower, Girlboss und „We should all be feminists“-Shirts hängen in jedem Laden, von Dior bis H&M. Doch was macht dieser Hype eigentlich mit dem Feminismus? Ist man Feminist/in, nur weil man sich solch ein angesagtes T-Shirt oder eine entsprechende Handyhülle kauft? Oder macht der Hype den Kampf kaputt? Die Pro- und Contra-Stimmen in meinem Kopf kommen nicht so recht zu einer Entscheidung – deshalb lasse ich sie einfach mal laut diskutieren.

Übrigens: Dieser Blogpost erscheint auch als Gastbeitrag in dem Blog Tweet Girly. Lea schreibt über die Themen „Empowering Women, Feminismus, Gleichberechtigung, Girlboss“ – und darüber kann man nie genug lesen.

Hohler Marktplatz-Feminismus oder wichtiger, aufmerksamkeitsstarker Trend? Eine Diskussion.

Ich find’s cool, dass der Feminismus nun überall ist. Besser kann es doch gar nicht laufen! Je häufiger wir damit konfrontiert werden, desto mehr Menschen werden darauf aufmerksam. Niemand kommt um das Thema Feminismus herum, weil es auf jedem T-Shirt und auf jeder Tasse zu sehen ist.

 

Aber dieser Hype höhlt den eigentlichen Feminismus doch total aus. Es geht um harte Fakten, um Geschlechtergerechtigkeit und den Kampf für mehr Gleichberechtigung. Feminismus ist doch kein Modetrend. Konsum statt Kampf, Shoppen statt Einfordern? Feminismus kann man sich doch nicht anziehen, es geht dabei nicht um Mode, sondern eine innere und politische Einstellung.

 

Ich verstehe ja, was du meinst. Doch das eine schließt das andere doch nicht aus. Ich kann es ernst meinen und diese Gedanken durch solche Statements unterstreichen. Wer vielleicht nicht mit mir über dieses Thema redet, bekommt trotzdem mit, dass es mir wichtig ist.

Oder dein Gegenüber denkt einfach nur: Tze, läuft die auch diesem Trend hinterher, die kann es dann ja nicht allzu ernst meinen. Was meinst du denn, wer dir deine Girlpower-Shirts zusammennäht? Viel zu junge Näherinnen, beispielsweise aus Bangladesch, die für einen Hungerlohn arbeiten und nicht einmal von Gleichberechtigung zu träumen wagen. Was für ein blanker Hohn, dass auf ihrer Arbeit „Girlboss“ oder „Girlpower“ steht.

 

Damit machst du aber ein ganz neues Fass auf. Die Produktionsbedingungen der Textilindustrie müssen sich unbedingt verbessern, das wissen wir alle. Doch das ist, wie gesagt, ein ganz anderes Thema. Dabei geht es nicht um die Feminismus-Kollektion, sondern um alle produzierten Teile. Wenn man ein schlichtes schwarzes H&M Shirt trägt und sich für Feminismus engagiert, ist das auch nicht viel besser.

 

Touché.

 

Siehst du. Ich sehe das als gesellschaftlichen Wandel. Früher waren Ökos und Vegetarier totale Freaks, die in Jutesäcken rumgelaufen sind und nach Reformhaus gemüffelt haben. So war zumindest ihr gesellschaftlicher Ruf. Mit dem wachsenden Bewusstsein für gesunde Ernährung ist erst die vegetarische und dann auch die vegane Ernährung immer beliebter geworden. Inzwischen gelten Veganer als die Hipster schlechthin. Das bedeutet doch nicht, dass Veganismus seinen Sinn verloren hat. Vielleicht folgen einige erst mal nur dem Trend, merken, dass es ihnen gut tut, und stehen dann voll dahinter. So könnte es beim Feminismus doch auch laufen. Früher waren es die anstrengenden Emanzen, die nie einen Mann finden oder einen Rock tragen würden, heute sind Feministinnen weiblich, sexy und cool. Keiner muss sich mehr dafür schämen, sich für die Gleichberechtigung einzusetzen.

Es fühlt sich trotzdem falsch an. Den Modeketten geht es nicht darum, uns politischer werden zu lassen. Sie wollen uns Dinge verkaufen. Und sie nutzen die öffentliche Diskussion aus, um Geschäfte zu machen. Das Einkaufen wird als Akt der Ermächtigung verkauft. Dabei geht es nur um einen Haufen unnötigen Schwachsinn. Ich finde, dass der Feminismus damit vor dem Ausverkauf steht. Apropos: Was ist das eigentlich für eine Aussage, wenn das Girlpower-Shirt im Schlussverkauf ist?

 

Ich verstehe, was du meinst. Aber es ist doch immer so, dass aktuelle Themen auch in der Mode verarbeitet werden.

 

Feminismus sollte aber nicht sexy oder niedlich sein. Feminismus ist politisch, wütend und kämpferisch. Das passt nicht zum Feminismus-Shoppingbummel.

 

Und nur weil ich Feministin bin, darf ich nie wieder shoppen gehen und muss wie früher wieder lila Latzhose tragen und meine Röcke verbrennen?

 

Natürlich nicht. Trag, was du willst und zeig dich, wie du willst. Ich möchte nur nicht, dass Frauen denken, dass sie sich ein gutes Gefühl erkaufen können. Nach dem Motto: „Ich war ja gestern shoppen, damit hab ich mein Soll in Sachen Gleichberechtigung erledigt.“

 

Das kann ich so unterschreiben. Wer sich auf die Brust schreibt, Feminist/in zu sein, sollte auch danach handeln. Ich finde es aber auch okay, wenn die Menschen eben erst den Trend mitkriegen, sich ein neues T-Shirt kaufen und sich dann mehr und mehr mit der Materie beschäftigen.

 

Wenn das Äußere stimmt, rückt das Innere nach, meinst du? Äußere Schönheit war allerdings noch nie ein verlässliches Zeichen für einen schönen Charakter ...

 

Ich glaube, wir könnten noch ewig diskutieren. Ich trink jetzt einen Tee. Aus einer Girlboss-Tasse, nebenbei bemerkt.

 

Na dann: Prost!

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