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Kein Wein, viel weinen: 5 Gründe, wieso eine Schwangerschaft manchmal echt nervt

Wenn ein neues Leben im Bauch einer Frau wächst, ist das immer wieder ein kleines Wunder. Kinder machen die Welt schöner, bunter, reicher. Als ich meine Schwangerschaft verkündete, strahlten alle, mir wurde gratuliert, ich wurde umarmt, ständig bekomme ich Herzen und Gifs von meinen Freundinnen geschickt. Alle lieben es, dass ich schwanger bin.

Schwangerschaft wird sofort mit tollen, runden Bäuchen, dem einzigartigen „Glow“ und viel Glück und Liebe in Verbindung gebracht. Doch ich möchte in diesem Text ehrlich zu euch sein und euch von den Schattenseiten erzählen, die ich in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft kennen gelernt habe.

In Büchern, im Netz und im Alltag erfährt man davon nämlich viel zu wenig. So entwickelt sich schnell ein schlechtes Gewissen, ein Ich-bin-falsch-Gefühl. Alle erwarten, dass eine Schwangere überglücklich ist, vielleicht etwas müde, und dann ist da diese Übelkeit morgens, hihihi. Dass es einem tagelang so beschissen geht, dass man die gesamte Schwangerschaft infrage stellt, dass man ständig heult und die Beziehung schon nach wenigen Wochen auf die Probe gestellt wird, dass diese „Morgenübelkeit“ den ganzen Tag anhält, davon erzählt einem keiner etwas. Aber der Reihe nach.

1. Die klassischen Wehwehchen

Mir war bis Woche 8 überhaupt nicht schlecht. Doch dann ging es los. Wenn ich zu wenig esse. Wenn ich zuviel esse. Wenn ich bestimmte Gerüche wahrnehme. Airwaves-Kaugummis beispielsweise bringen mit fast zum Würgen – obwohl ich vor der Schwangerschaft selbst ein Airwaves-Junkie war. Es ist echt beschissen. Ich habe mich bis heute noch nicht ein einziges Mal übergeben, laufe aber seit 5 Wochen rum, als wäre ich dauerverkatert. Nicht nur morgens, da ist es meistens sogar besser. Meine „Morgenübelkeit“ verteilt sich auf den ganzen Tag. Es geht ja noch viel schlimmer, manche Frauen müssen sich den ganzen Tag über immer und immer und immer wieder übergeben. So oft, dass die Kilos nur so purzeln. Ich will gar nicht drüber nachdenken.

Dann diese Müdigkeit. Manchmal überkommt sie einen so irre plötzlich, dass man in der Bahn oder – schlimmer noch – im Auto kaum mehr die Augen offen halten kann.

2. Die nicht-so-klassischen Wehwehchen

Ich habe oft Zitter-Anfälle (im Winter schwanger werden ist gemein!), so heftig, dass meine Zähne klappern und sich mein ganzer Körper gar nicht mehr beruhigen kann.

Andere Frauen bekommen tolle Haut, ich bekomme im Gesicht und an den Oberarmen ziemlich viele Pickel. Im Gesicht sitzen natürlich auch die fiesen, dicken. Sogar ein kleines Exzem hat sich entwickelt. Für den „Glow“ ist höchstens die dicke Schicht Make-up auf meiner Haut zuständig.

3. Essen & Trinken

Die Einschränkungen in Sachen Essen und Trinken sind doch heftiger als erwartet. Ich gehe normalerweise gern und oft essen, das hat sich mit der Schwangerschaft geändert. Ist der Frischkäse pasteurisiert? Ist Alkohol im Dessert? Ist das Fleisch ganz durch? Ist der Ziegenkäse auf dem Flammkuchen auch mitgebacken? Ist der Salat wirklich gut gewaschen? Ist der Käse aus Rohmilch hergestellt? Wurde mit dem Messer für das vegetarische Sushi auch der rohe Fisch geschnitten? Und für mich bitte nur eine Rhabarbersaftschorle dazu, danke. Cola light? Lieber nicht, Süßstoffe erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer Frühgeburt. Und schwarzen Tee bitte nur maximal zwei bis drei Tassen pro Tag. Viele Chai-Tees erhalten übrigens auch schwarzen Tee. Die ganzen leckeren alkoholischen Getränke sind selbstverständlich auch gestrichen. Es. Nervt. So. Sehr. Wann darf ich endlich wieder essen und trinken, was ich will?

4. Die Heimlichtuerei

Ich muss Cortison nehmen. Ich versuche im Januar mal weniger zu trinken. Ich... äh... hab gestern so viel getrunken, dass ich heute noch nichts runterkriege. Oder: Ich hab’s am Magen und muss heute Abend leider zuhause bleiben. Diese ganzen Ausreden sind zwei Wochen lang witzig – danach beginnen sie einfach nur noch zu nerven. Ich habe meinen guten Freunden deshalb relativ früh von meiner Schwangerschaft erzählt, schon vor den berühmten 12 Wochen. Gewissen Kollegen und Bekannten allerdings wollten wir es eben doch erst nach der „Frist“ mitteilen. Und bis dahin heißt es: rausreden. Oder zu Hause hocken und mit seinem Schicksal hadern, während die anderen Wein trinken und sich ein schönes Leben machen. Ich habe es als riesige Erleichterung empfunden, endlich mit offenen Karten zu spielen.

5. Die Hormone

Ich sag es euch, Hormone sind die Pest. Ich breche ständig in Tränen aus. Raste wegen Lapalien aus. Stelle alles infrage. Und in den schlimmsten vier Tagen hatte ich wohl Anflüge einer Schwangerschaftsdepression. Die haben – wie ich dann gelesen habe – rund 10% aller Schwangeren. Das ist gar nicht mal so wenig. Und wirklich überhaupt nicht lustig. Die Freude aufs Kind ist weg. Ich wollte das alles nicht mehr. Den Bauch, der irgendwann kommt, die Einschränkungen, die Last, die Müdigkeit, die Arzttermine. Die körperlichen Veränderungen nerven nur noch, ich wollte mein altes Leben zurück. Reisen, trinken, Sport machen, Zweisamkeit genießen, auch mal verantwortungslos leben. Ich hatte das Gefühl, dass alles, was Freude macht, mit dieser Schwangerschaft beendet sei. Bei einer Freundin von mir, bei der die Phase nicht so schnell vorbei war, ging es so weit, dass es ihr zweitweise egal war, ob sie noch lebt oder nicht. Das sagt dir vorher niemand. Und doch hat wahrscheinlich jede werdende Mutter zumindest Tage, in denen sie so viele Sorgen und Unsicherheiten mit sich rumschleppt, dass sie sich einfach nicht mehr freuen kann. Das gehört scheinbar dazu. Können wir darüber bitte alle offener darüber reden?

Später werden Beschwerden wie Sodbrennen, schlechter Schlaf und Spannungsschmerzen dazukommen, habe ich gehört. Und dann die Geburt – dass da auch noch einiges schief gehen kann, blende ich bisher noch aus...

 

Wieso schreibe ich diesen Text? Nach „Regretting Motherhood“ nun „Regretting Pregnancy“? Im Gegenteil. Ich würde trotz allem wieder schwanger werden, wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte. Nach drei Monaten geht es auch deutlich aufwärts. Es geht mir nur darum, ehrlicher zu sein. Damit sich schwangere Frauen nicht schuldig fühlen, wenn sie ihre Schwangerschaft infrage stellen. Man ist plötzlich fremdbestimmt, schlapp, die Leistungsfähigkeit nimmt ab, viele Reisen sind nicht mehr möglich. Ein winziges Etwas, das am Anfang nicht mehr als ein Zellhaufen ist, übernimmt die Kontrolle über den Körper, die Psyche und das Leben. Das macht nicht immer Spaß. Das ist nicht immer das pure Glück. Manchmal stürzt es Frauen sogar in Depressionen. Darüber dürfen wir sprechen. Das gehört dazu. Lasst euch nicht unterkriegen, ihr (werdenden) Kugelbäuche. Wir kriegen das schon alle hin.

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Kommentare: 23
  • #1

    Constanze (Dienstag, 31 Juli 2018 12:57)

    Vielen Dank für deinen Text! Ich habe mich sehr angesprochen gefühlt. Es ist beruhigend zu lesen, dass nicht alle werdenden Muttis beseelt durch die Schwangerschaft gehen. Ich bin auch sehr oft genervt, da die Einschränkungen schon häufig sind. Ich hasse auch den Spruch:"Schwangerschaft ist keine Krankheit!"
    Denn manchmal (oder oft) fühlt man sich krank, durch verschiedene Symptome, die man so hat und Medikamente/Nahrungsergänzungsmittel, die man zu sich nehmen muss/soll.

  • #2

    Jule (Donnerstag, 22 November 2018 10:20)

    Hätte von mir sein können!!!!

  • #3

    Franzi (Montag, 04 Februar 2019 11:15)

    Du sprichst mir aus der Seele!

  • #4

    Tini (Mittwoch, 06 Februar 2019 21:19)

    Ein sehr schöner Text. Danke dafür...

  • #5

    Johanna (Samstag, 09 Februar 2019 10:16)

    Vielen Dank!
    Spricht mir aus der Seele.
    Gefühlt freuen sich alle 100 mal mehr als ich; sehr belastend.

  • #6

    Sabrina (Freitag, 15 Februar 2019 09:33)

    ...und dabei die ganze Zeit die Sorge, dass es doch zu einer Fehlgeburt kommt und alles umsonst war.. du sprichst mir aus der Seele.

  • #7

    Johanna (Donnerstag, 21 Februar 2019 15:54)

    Vielen Dank für diesen tollen Artikel und deinen Blog! Du sprichst mir aus der Seele!

  • #8

    Amandine (Sonntag, 17 März 2019 01:49)

    Als ich den Text gelesen habe dachte ich: " Wow, du bist nicht allein. Endlich jemand, dem es auch so geht"

  • #9

    Mia (Mittwoch, 27 März 2019 10:15)

    Vielen Dank für diesen Text, ich habe mich darin wiedergefunden und fühle mich nicht mehr ganz so alleine. Ich hatte und habe zeitweise ein wirklich schlechtes Gewissen, dass ich nicht die dauerseelige, lächelnde, strahlende Schwangere war und bin...
    Diese Einschränkungen nerven immer mehr ...auch nach fast 40 Wochen gewöhnt man sich nicht daran...Aber wir schaffen das schon, wie du schon sagst. :-)

  • #10

    Tina (Montag, 08 April 2019 16:11)

    WoW!!! Vielen Dank für diese ehrlichen Worte!! Voralledingen unter dem Punkt "Die Hormone" habe ich mich sowas von wieder gefunden! Ich bin derzeit in der 23 Ssw und hatte erst gestern wieder ein absolutes Hormontief in dem ich alles in Frage gestellt habe ..
    Ich bin definitiv für mehr Realität in den Medien und sozialen Netzwerken.
    Nicht alle Mütter bzw, werdenden Mütter empfinden die Schwangerschaft als "die schönste und glücklichste Zeit im Leben" wie es so oft heißt. Unerfahrene werdende Mütter fühlen sich durch solche Aussagen total verängstigt und denken direkt dass irgendwas nicht stimmt, weil sie anders denken und nicht sofort innige Liebe und Bindung zu dem ungeborenen fühlen.

  • #11

    Denise (Donnerstag, 18 April 2019 12:31)

    Ich habe mich noch nie so in einem Text wiederfinden können wie in diesem! Ich bin erleichtert, dass es nicht nur mir so geht.

  • #12

    Annabell (Dienstag, 30 April 2019 06:14)

    Vielen Dank für diesen wundervollen Text! Bin in der achten Woche und einfach nur überfordert mit allem. Fühle mich schlecht, dass ich so traurig bin und kann meinen Alltag kaum noch meistern. Es beruhigt mich zu wissen, dass ich mit solchen Gefühlen nicht alleine bin! Versuche etwas besser drauf zu sein, aber es ist auch ok, wenn es ist wie es ist. Liebste Grüße!

  • #13

    Hanna (Sonntag, 05 Mai 2019 09:40)

    Vielen Dank für deine Ansicht, sie tat einfach gut!
    Ich hab bis Anfang des 5 Monats gebraucht, um mich zu freuen, und es tat weh, dass mir alle sagten, ich müsse vor Glück/Freude platzen, während ich seit SSW 9 mit Dauerübelkeit und Kreislaufproblemen nicht einmal mehr meinen Partner(geruch) neben mir ertrug oder alleine duschen konnte. Nun beginnt die 30.SSW und ich schwimme in Hormonen seit ein paar Tagen, weil mich so langsam das Bewusstsein der herannahenden, großen Verantwortung überrollt und die Arzttermine einem mit zunehmender Häufigkeit oder manchmal nicht 'perfekten Werten' Panik machen. Ich freu mich auf die kleine Dame, aber ich wünsche mir mehr Möglichkeiten, ehrlich darüber sprechen zu können, statt das Angängsel der Zitat 'süßen Kugel' zu sein

  • #14

    Maria (Freitag, 10 Mai 2019 19:25)

    Ich bin ebenfalls geplagt vom Fremdgesteuert sein, habe nicht einmal mehr antrieb um mich zu schminken.Bin in der 13 ssw,Ganztagsübelkeit mit mehrmaligen erbrechen, Schwindel,Schlappheit und Energielosigkeit lassen mich den Tag bestreiten. Dazu kommt entweder unruhe oder heulkrämpfe die dich wirken lassen als wärst du ein anderer Mensch. Es ist so erschreckend wie einen sein eigener Körper so fertig machen kann,wenn mein Freund Sport machen kannn oder so fröhlich ist und man selbst wie ein Häufchen unglück daher kommt macht einen das fertig. Und dann gibt es diese Momente wo alles so leicht erscheint. Ich bin eine die auch nicht gerne Schwanger ist,Aufgrund der oft untertrieben und verschönerten Symptome.

  • #15

    Vera (Sonntag, 19 Mai 2019 08:21)

    Danke für die ehrlichen Worte! Deinen Text sollten auch alle werdenden Väter lesen damit sie uns Schwangeren besser verstehen können.

  • #16

    Chrisi (Donnerstag, 30 Mai 2019 12:31)

    Und ich dachte schon es ist unnormal das ich für jede Kleinigkeit weinen muss. Normal bin ich das komplette Gegenteil.. habe Zweifel an allem und mein Partner leidet drunter. Auch wenn er es nicht zugibt ich merke es.
    Ich denke schon von mir selbst das ich Depressionen habe.
    Keine Freude, keine Energie ,für alles am weinen und dann der Partner dem man für alles Vorwürfe macht.
    Ich bin jetzt in der 10ssw und hoffe es geht bald Berg auf.
    Bei den anderen beiden Schwangerschaften ging es mir super und ich war glücklich.
    Es ist doch erleichtert zu sehen das es wohl normal ist und ich nicht alleine bin.
    Danke dafür

  • #17

    Nancy (Montag, 03 Juni 2019 23:27)

    Danke für deine Worte! Ich frage mich seit ein paar Wochen ständig: Was stimmt denn nur nicht mit mir? Warum ständig diese Zweifel und keine wirkliche Freude? Es tut sehr gut zu wissen, dass es auch Andere gibt, denen es so geht.

  • #18

    Nina (Freitag, 14 Juni 2019 22:25)

    Ich danke dir für deine ehrlichen Worte, du sprichst mir aus der Seele. Es gibt Tage die stehe ich morgens mit Tränen in den Augen auf und gehe abends damit ins Bett. Lasse ich es zu richtig zu weinen schüttelt es mich geradezu, so wie ich noch nie geweint habe.
    Ich muss seit jetzt 5 Wochen liegen, also wirklich nur liegen und hoffe einerseits es werden noch Minimum fünf weitere bis maximal eben noch 11 bis zur 40. Woche. Es lässt einen oft Zweifeln, ob es alles wert ist. Die ganzen Einschränkungen, erst drei Monate Übelkeit und Müdigkeit, zwei Monate mit ziehen hier und ziepen da, jetzt liegen und kein Nestbau. Und dann noch einen Mann der das verstehen soll. Wie soll er es auch verstehen, wenn es einem selbst schon schwer fällt zu verstehen, warum man selbst nicht die viel gepriesene wundervolle Zeit fühlt/erlebt, sondern an schlechtem Gewissen leidet, weil man es nicht so empfinden kann. Ich hoffe immer noch sehr, dass nach der Geburt die schwere Zeit einfach vergessen ist.

  • #19

    Jana Neureither (Donnerstag, 04 Juli 2019 21:00)

    Wow toll, vielen Dank für die ehrlichen Worte

  • #20

    Christin (Montag, 29 Juli 2019 18:09)

    Das ist ein ganz toller Beitrag, du sprichst mir aus der Seele :*

  • #21

    Brigitte (Mittwoch, 31 Juli 2019 18:08)

    Ein verdammt cooler Beitrag. Mir geht es wirklich besser. Vielen Dank

  • #22

    Janina (Donnerstag, 15 August 2019 18:07)

    Ich hatte eben eine für mich nicht sehr schöne Situation, da ich wirklich aus einer sehr guten Laune heraus ein starkes Angstgefühl bekommen habe. Von jetzt auf gleich habe ich mich gefragt, ob ich bereit bin Mutter zu werden, ob ich genug Liebe empfinden kann und alles richtige für mein Kind tun kann. Warum auch immer war eben diese große Angst da und ich musste weinen.
    Ich bin so froh auf deinen Text gestoßen zu sein, denn das hat mir gezeigt, dass ich nicht alleine bin! Dass ich mich deswegen nicht verrückt machen muss. Ich weiß, dass ich meine kleine Bohne liebe und alles tun werde, dass es ihr gut geht.
    Ich danke dir vielmals!!!!!

  • #23

    Merle (Freitag, 23 August 2019 22:06)

    Oh Gott... Vielen Dank für diesen Text, genau so geht es mir jetzt gerade. Ich dachte "was stimmt nicht mit mir"?
    Zum Glück hab ich einen Partner der meine ständige Heulerei und alles weitere mit einer stoischen Ruhe erträgt und mich unterstützt.