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Coole Frauen: May-Britt Wilkens, Besserfleisch

Zugegeben, bisher hatte ich nur per Mail Kontakt mit May-Britt Wilkens. Aber schon jetzt kann ich euch sagen: Wat ’ne coole Socke. Die Frau ist hochmotiviert, engagiert, voller Power und richtig jut druff. Sie hat als Übersetzerin gearbeitet und in China gelebt – allein das klingt schon irre beeindruckend. Doch ich stelle May aus einem ganz anderes Grund vor. Denn inzwischen ist sie zurück in Deutschland und macht etwas völlig anderes: Sie sorgt mit ihrer Firma Besserfleisch dafür, dass wir die Chance bekommen, richtig gutes Rindfleisch zu essen, bei dem wir genau wissen, von welcher Kuh, von welchem Bauern und aus welcher Schlachterei das Fleisch kommt. Sie selbst fasst ihr Ziel so zusammen: „Make Rindfleisch great again! :)“

Vegetarier werden oder Ärmel hochkrempeln?

Die Idee entstand eigentlich fast von selbst. „Ich esse gerne Rindfleisch, aber nur wenn ich ganz genau weiß, dass es dem Tier gut ging“, erzählt May. „Ich möchte, dass Rinder auf der Weide grasen können, die Sonne sehen, und sich jemand mit Herz und Verstand um sie kümmert. Als ich vor zwei Jahren nach einem Auslandsaufenthalt wiederkam, habe ich keine Möglichkeit gefunden, wirklich transparent Fleisch zu kaufen. Ich stand also vor der Wahl: Vegetarier werden oder Ärmel hochkrempeln. Eigentlich war es dann eine ganz einfach Entscheidung.“

May sprach mit vielen Leuten über ihre Idee, knüpfte Kontakte, fand ihren "ersten Bauern". Sie telefonierte mit etablierten Online-Fleischverkäufern und merkte, dass das, was sie sich vorstellte, tatsächlich umsetzbar ist. Und dann fing sie einfach an. Schritt für Schritt. „Ohne großes Gründungs-Tammtamm.“

Das Rindfleisch-Business boomt

May-Britts Idee schlug ein. Sie gewann zusammen mit ihrem Partner Brian immer mehr Kunden, neue Bauerhöfe, auch der NABU ist dabei. Am schwierigsten sei es, Schlachthöfe zu finden, sagt sie. Zurzeit sind es zwei, mit denen die zusammenarbeitet. „Es gibt kaum noch kleine Schlachtereien, die sich Zeit für einen respektvollen Umgang mit den Tieren erlauben können – aber immer mehr riesige Schlachthöfe.“ Trotz aller Hürden läuft es immer besser. Die 5 Kilogramm Pakete kosten 119 bis 199 Euro, ein stolzer Preis. Doch so viel kostet es eben, wirklich gutes, faires Fleisch zu essen. „Der Verbraucher muss bereit sein, weniger Fleisch zu essen“, so May. „Unsere Rolle verstehen wir vor allem in der Aufklärung – über kaum ein anderes Lebensmittel wissen wir so wenig wie über Fleisch. Das muss sich ändern.“

Inzwischen übersteigt die Nachfrage das Angebot. „Ich war erstmal ein wenig überfordert“, gibt May zu. Doch es soll weitergehen. „Jetzt haben wir uns gesammelt, strukturieren uns neu, und versuchen Prozesse zu optimieren. Wir möchten wachsen, ganz klar. Aber in allererster Linie wollen wir Spaß bei der Arbeit haben und wir wollen allen beteiligten Bauern und Schlachtern Mehrwert bieten – da geht Wachstum nur mit Weitsicht und Bodenständigkeit. Wir müssen demnächst ein paar Leute einstellen, und dann auch dafür sorgen, dass wir alle zufrieden sind und anständig bezahlt werden.“

Die unterbewusste Verunsicherung der Frauen

Tatsächlich merkt May immer wieder, dass Männer viel positiver auf Ihr Tun reagieren: „Die meisten Männer nehmen mein Business gleich für voll, und stellen interessiert Fragen zum Ablauf, oder bieten konkret Hilfe an. Es gibt auch viele Frauen, die das tun, aber etwa die Hälfte ist sehr zurückhaltend bis skeptisch. Da ich als Frau automatisch mehr mit Frauen zu tun habe, denke ich manchmal, das wirkt sich bestimmt auf mein Unterbewusstsein aus. Ich war beispielsweise mal auf einer Business-Veranstaltung, und saß dort neben einer Frau. Mein Eindruck: straight, klasse Businessfrau, etwa 50 Jahre alt. Ich habe also Erfahrung vermutet. Ich erzählte ihr, was ich mache. Die einzige verunsicherte Rückfrage: ‚Und was machen Sie, wenn Ihr Unternehmen wächst und zu groß wird?’ Fand ich im Nachhinein krass. Ich vermute, sie hätte einem Mann eine andere Frage gestellt.“

Um Frauen diese unterbewusste Unsicherheit auszutreiben, will May Filmabende für Frauen organisieren, bei denen Filme mit starken, weiblichen Hauptrollen gezeigt werden. „Nachdem ich Wonderwoman gesehen habe, hab mich selbst wie Wonderwoman gefühlt. Sich starke Frauen anzuschauen, ob auf der Bühne oder der Leinwand, motiviert mich, und wenn es nur unterbewusst ist. Wir identifizieren uns leichter mit dem eigenen Geschlecht. In den meisten Filmen, auf Bühnen, oder einfach in der Zeitung sieht man aber häufiger Männer in den Hauptrollen. Ich glaube, es hilft, ein paar mehr Momente mit Frauen in der Hauptrolle zu schaffen.“

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